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Beckett pi - projekt - konzept

Jede Sendung ist eine cq-Adresse, das heißt: sie richtet sich »an Alle«. Ihr Ort ist der Äther, kein göttliches Pneuma, sondern ein leerer, unbegrenzter Raum. (1)

In LIEBST DU MICH LUMP werden Theater, Videokunst, Musik und Wissenschaft durch die künstlerischen Mittel des Internets verwoben. Die Inszenierung nutzt das Internet und macht gleichzeitig seine Individualisierung der Weltsicht zum Thema. Es gibt keine homogene Publikumsgruppe mehr, allein die Netz-User können das Gesamtzusammenspiel erkennen und bilden so eine im Doppelsinn "zerstreute" Zuschauerschaft.

Samuel Becketts Auseinandersetzung mit der Mathematik, seine Frage nach Sender und Empfänger fordert die Weiterführung seiner Werke im Netz.

Das Stück entsteht auf vier Ebenen: Am Inszenierungsort selbst werden nur acht reelle Zuschauer anwesend sein. Sie sind selbst Teil des Bühnenbildes und nur sie empfangen das Geschehen direkt. Das Gesamtbild wird durch einen Kameramann aufgenommen und live ins Internet gespeist.

Die zweite Ebene bildet der Internetuser, er sieht das Stück ohne eingreifen zu können. Siehe "livestream"

Die dritte Ebene besteht aus einem Zufallsuser in dem Internetcafe "Oraniennet" in Berlin, Kreuzberg 36, der durch eine eiserne Maske einen kleinen Bildschirm mit der Aufführung sieht und durch einen Sensor Einfluss auf das Geschehen dort nehmen kann.

Die Signale werden von dem Musiker und dem Beleuchter wahrgenommen, daraufhin verändern sich Musik bzw. das Licht.. Diese Wandlungen dienen als Signal für die Schauspieler ihr Spiel zu verändern. Bei dieser dritten Ebene gibt es also ein beidseitiges Senden und Empfangen. Auch dieser Zufallsuser wird über eine Webcam aufgenommen und ins Netz geschickt.

Die vierte Ebene gehört dem Zukunftsuser und entsteht in Zusammenarbeit mit Berkan Karpat (Labor thesenkreuz und rosenwind). Er liegt in dessen "skulpturalen Versuchsraum 2" im Deutschen Museum München, angeschlossen an ein EEG einerseits und an die per Radar empfangenen Signale eines Sterns andererseits. Sein Körper empfängt den Ton der Aufführung und die Weltraumsignale, die Gehirnströme seiner Reaktion werden zur Aufführung zurückgeleitet und beeinflussen diese wie beim Zufallsuser. Auf dieser vierten Ebene ist das Senden und Empfangen auch beidseitig.

Der Internetuser sieht daher neben dem direkten Bild der Aufführung zwei weitere Bilder: das Bild des liegenden Zukunftsusers und das Bild des Zufallsusers. Dieser sieht ebenfalls diese drei Bilder sieht, davon ist eines sein eigenes. Siehe "livestream".

Beckett, selbst visionär und revolutionär, befürwortete stets innovativen Umgang mit seinem Werk: in den Äther geschickt, wird ihm das Ätherische genommen. Unsere Auswahl nach seinen Erzählungen, Stücken und Filmen, mit Betonung auf: Mathematik, Sex, Psalmen, steht für den heutigen Gebrauch des Internets, in dem der User sich durchklickt und sein Weltbild zusammenbastelt.

(1) Wolf Kittler, Gespenster in Draht und Äther

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